Mittwoch, 3. Juli 2013

"Der Babysitter Profi" von Marie-Aude Murail

Titel: Der Babysitter Profi
Serie: -
Autor: Marie-Aude Murail 
Übersetzer: Tobias Scheffel
Sprache: Deutsch
Verlag: KJB (Hat auch Klappentext-&Coverrechte)
Preis: 12,99€ (D) (Taschenbuch)
Genre: Reality-Familiendrama+Liebesgeschichte
Gliederung: 3 Teile mit eig. Kapiteln, 317 Seiten
Protagonist: Ernest (m.)
Schreibzeit: Präteritum
Eignung: ab 12/13
Bewertung: 4X
Kaufen: Amazon / Verlag


Frisch gewickelt ist halb gewonnen
Der fünfzehnjährige Ernest ist zwar megapleite, will aber auch megadringend einen neuen Computer haben. Ein Job muss her! Und wer sagt eigentlich, dass Babysitten nur was für Mädchen ist? Apropos Mädchen ... Noch so eine Baustelle in Ernests Leben ... 


Ernest lebt mit seiner geschiedenen, chaotischen, aber recht lockeren Mutter in einer Wohnung in Frankreich. Seine 'Familie' hat aber nicht so viel Geld wie etwa Ernests bester Freund Xavier, weshalb er beschließt, sich welches zu verdienen. Durch Marie-Martine, die bei seiner Mutter (und dann bald auch bei ihm) sehr gerne gesehen ist, bekommt er ein paar Babysitting Jobs. Er stellt fest, dass ihm das ziemlich Spaß macht. Doch als seine Mutter dann unerwartet schwanger wird und nicht mehr arbeiten kann, bekommt seine Welt langsam Risse und er flieht zu seinem Onkel Valentin...


Aufmachung- Der eigentliche Grund für meinen Kauf war eindeutig das schlichte, aber überzeugende Cover. Schicke Schriftart, schöne Farben für's Regal und dann auch noch dieser sympathische Kerle, der einen mit dem aufgestylten Baby in der Tragetasche entgegengrinst. Dem Blick des Babys musste ich einfach nachgeben, und den Titel fand ich irgendwie auch scharf. Er passt wie die Faust aufs Auge, genau wie das Cover auch. 

Story- Wenn man anfängt, die Geschichte zu lesen, wird schon auf der ersten Seite eines klar: Du wirst lachen müssen! Ohne Humor kommt man hier nicht aus. Ich bin wahnsinnig beeindruckt von Marie-Aude Murail's Fähigkeit, eine gleichzeitig todernste und zum Heulen komische Geschichte zu erfinden. Es werden viele Themen angesprochen- Wie etwa Familie, Liebe, Zuneigung, Verbrechen, Wut und vieles mehr. Im Rückblick auf die Geschichte sah das so aus: Zu Anfang und bis über die Hälfte war Lachzeit angesagt. In dieser Zeit reihten sich lustige Begebenheiten aneinander, man wurde prächtig unterhalten. Jedoch, ab irgendwann weiter hinten, kam der Protagonist in eine unschöne Lage, ab diesem Punkt (obwohl es mehr ein fließender Übergang war) kippte die die Geschichte und wurde sehr ernst. Ich fand das zwar nicht schlimm, aber das hat vieles etwas unwirklich gemacht. Man erlebt zwar wunderbar die Taubheit und das Dahinleben von Ernest, das tut der Story aber nicht gut, da sie dort einen Durchhänger erleidet. Das Ende hingegen ist wiedermal brillant. Ich denke, ich fange an, die Autorin zu lieben. Besonders genial fand ich auch, dass ab und zu Doppelseiten lang das, was in den letzten Zeilen passiert ist, in einem Minicomic dargestellt wird!
Nein, Doktor Carrel war kein guter Plan. Er gehörte zu der Sorte je besser ich die Frauen kenne, desto lieber ist mir mein Hund. - S.128/129
Schreibstil- Der Schreibstil ist locker-flockig und trotzdem tiergehend, todernst und trotzdem lustig. Man kann gar nicht genau sagen, wie er war; nur, dass er brillant war. Die Autorin (eine Französin) versteht ihr Handwerk wirklich wahnsinnig gut. Ab und zu musste ich ein paar Stellen erneut überlesen, weil der Stil manchmal seltsam war, aber ich habe mich wirklich gut unterhalten gefühlt. Es wird erzählt, und oft kommen dann noch Kommentare dazu (schwer zu erklären, aber echt witzig). Der Schreibstil jedenfalls landet ein riesiges Plus in der Bewertung!

Charaktere- Die Charaktere sind genauso originell wie der Schreibstil. Da war beispielsweise der Protagonist Ernest, jugendlich, männlich, verpeilt- aber dennoch total liebenswert und witzig. Ich habe seine Art, mit den Dingen umzugehen, seine Kommentare, seine Bilder, seine Gedanken und alles total realistisch mitbekommen und fand ihn echt sympathisch. Lässig und chaotisch war auch seine Mutter, die zu Anfang noch meine Lieblingsfigur war. Die beiden hatten ein angenehmes, lockeres Verhältnis. Richtig zum Schießen fand ich auch Valentin, sein Onkel oder so. Der war mit seiner ignoranten und trotzdem total liebevollen und gelassenen Art einfach super lustig. Nebencharaktere, wie etwa Martine-Marie, fand ich auch super, manche mehr, manche weniger. Keiner ging nach Klischee, auch wenn manche deshalb trotzdem genervt haben... selten. Besonders auffällig fand ich irgendwie, dass alle Nebencharaktere einen Doppelnamen haben!
"Macassard setzt seinen Fuß auf jeden Fall nicht in das Schlafzimmer meiner Mutter!", sagte ich dickköpfig.
"Wenn ich das recht verstanden habe", bemerkte Valentin, "kommen alle, die da reingehen, ziemlich schnell wieder raus." - S.144
Feeling- Das Feeling war, wie bereits gesagt, anfangs noch superlocker, aufgeweckt, lustig. Man musste wirklich so oft lachen, als ich das Buch im Auto gelesen habe, haben wirklich alle gedacht 'So, jetzt ist se komplett abgedreht...'. Wie ich ebenfalls schon gesagt habe kippt das Feeling sehr schlagartig zu total taub, leblos und traurig. Fand ich nicht so schön, aber gut- in diesem Buch wird jede nur mögliche Gefühlsfacette durchlebt und da gehört ja wohl auch die stumpfe, traurige Seite dazu.

Sog- Den brauche ich gar nicht mehr anzusprechen. Der Sog war präsent, ich musste weiterlesen, die Seiten sind wirklich geflogen und ich wollte zu Ende lesen. In der jetzt schon oft angesprochenen zweiten Phase war's so naja, ging aber.

Message?- Hui, da muss ich erst mal überlegen. Auf jeden Fall mal, dass Geld nicht alles ist und es nicht nötig ist, um glücklich zu werden. Dass man niemanden hintergehen sollte, auf Freunde vertrauen kann und insgesamt alles locker sehen sollte.


Ein wahnsinnig unterhaltsames Werk, gleichzeitig tiefberührend und zum Biegen. Ein umreißender Schreibstil (nicht nur umwerfend, sondern gleich umreißend!) einer Autorin, die es wirklich kann, und zuckersüße und lässige Charaktere. So weit, so gut- mir gefiel alles außer diese plötzliche Taubheit und die etwas plötzliche unrealistische Wendung von himmelhochjauchzend zu fast-schon-suizidgefährdet. Ein super geeignetes Buch zur Unterhaltung mit Tiefgang!
Ich vergebe 4X!

Kommentare:

  1. Heeey^^
    Ich habe dir einen Award verliehen - Der Post dazu wird heute noch auf meiner Bücherecke erscheinen :3
    Liebe Grüße,
    Tina

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  2. Uhuiii, eine tolle Rezension :D
    Marie Aude Murail ist toll! Ich habe das Buch "Simple" von ihr geradewegs verschlungen (kennst du das?) eine wirklich tolle Geschichte über einen geistig behinderten Jungen die unter die Haut geht! :D
    LG Anna

    P.S. Eine tolles neues Design!!! Leseflaute? wie doof ! Bei mir herrscht Rezi Flaute :D

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    1. Dankeschön :)
      Ich hab davon gehört, soll ja auch echt süß sein- überlege mir gerade ob ich mir das mal ausleihe oder so :3

      Danke - Ja, echt dumm -.- - Ach, auch nicht schön :D

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