Montag, 22. Juli 2013

"Axolotl Roadkill" von Helene Hegemann

Unbeschreiblich, unbewertbar, umhauend.
Titel: Axolotl Roadkill
Serie: -
Autor: Helene Hegemann
Übersetzer: -
Sprache: Deutsch
Verlag: Ullstein Verlag (Hat auch Klappentext-&Coverrechte)
Preis: 8,99€ (D)
Genre: Adoleszenzroman
Gliederung: 202 Seiten mit Kapiteln
Protagonist: Mifti, 16
Schreibzeit: Präsens
Eignung: ?
Bewertung: -
Kaufen: Amazon TB / Verlag

Radikal und klug »in die Fresse geschrieben« (taz) – Helene Hegemann erzählt in ihrem ersten Roman vom Leben in einer Welt, die sich von allen Konventionen befreit hat. Das fiktive Tagebuch der 16-jährigen Mifti, die seit dem Tod ihrer Mutter in Berlin lebt und ganz bewusst eine extrem negative Entwicklung durchmacht, löste eine der heftigsten Literaturdebatten seit langem aus.

Mifti ist 16, und seit ihre Mutter gestorben ist, ist sie auf Kriegsfuß mit ihrem Leben. Sie macht eine gewollt negative Entwicklung durch, ist trotzig, geht nicht zur Schule- und ist komplett den Drogen verfallen. Zudem hat sie Wahnvorstellungen, die nicht auf Drogen zurückzuführen sind, und scheint Dauerhigh zu sein. Sie lebt mit ihrem ebenfalls drogenkonsumierenden Bruder Edmond und ihrer alles im Griff habenden Schwester Annika in einer Wohnung in Berlin und hat sich nun entschieden, Tagebuch zu führen.

Aufmachung- Schon als ich den Titel hörte, musste ich grinsen. Was besondere Arten von Schwanzlurchen in dem Titel eines Buches zu tun haben, in dem es um Drogen und Wahnvorstellungen geht, war mir einfach schleierhaft, weshalb ich es lesen wollte. Das Cover ist komplett schwarz mit klaren, großen Buchstaben. Außerdem sieht man in der Mitte einen pinken Axolotl- das Cover finde ich super gut gestaltet und es verleitet zum Kauf.

Story- Als ich das Buch begann, war ich vollkommen unvorbereitet auf das, was mich erwarten würde. Und dann habe ich angefangen und wurde schon vom allerersten Abschnitt erschlagen. 
Man trifft auf eine Welt, die man als "normaler" Jugendlicher nicht wirklich kennt: Die Untergrund-Drogenwelt in ihrer schwärzesten Form. Abrutschen, Verbittern, Vergehen. Ich fand das zum einen natürlich abschreckend, da ich nciht wirklich glauben kann, dass das die Realität ist- aber zum anderen war es auch auf eine düstere Art faszinierend, wie die Protagonistin in sich selber feststeckt und immer mehr wegsackt. Ich finde, dass hier die Vordergrundshandlung zwar ein wichtiger Punkt ist, aber nicht der Wichtigste.

S. 7 - eigenes Bild
Schreibstil- Helene Hegemann schreibt mit einer Wucht, das ist nahezu unglaublich. Sie benutzt Sätze, Redewendungen und insgesamt eine wahnsinnige deutsche Sprache, als wäre sie ein pubertierender Goethe- das passt so unglaublich gut zum Thema, dass es einem fast schon Angst macht, wie ein siebzehnjähriges Mädchen das zustande bekommt. Da ist die Pressestimme "Radikal und klug in die Fresse geschrieben" (taz) genau das, was das Buch beschreibt. Dieser verwirrende Schreibstil mit kilometerlangen Sätzen und Wörtern, die viele Erwachsene bestimmt noch nicht gehört haben, bedeutet natürlich auch ein angestrengtes, mühsames Lesen, aber er passt auch wie die Faust aufs Auge, denn dadurch, dass aus der Sicht eines unter Wahnvorstellungen leidenden Mädchens geschrieben wird, hat man noch mehr das Gefühl, dass da irgendwas nicht ganz glatt läuft. So etwas habe ich wirklich noch nie gelesen, und dann von einer Siebzehnjährigen!

Zusatztinfo- Zuvor wurde ebenfalls im Ullstein Verlag das Buch "Strobo" vom Blogger Airen veröffentlicht. Es hat dieselbe Kernthematik wie das Werk Helene Hegemanns, und diese hat extrem viele Sätze und Wendungen von Airen genau so, wie sie sind, übernommen- was zu Plagiatsvorwürfen führte. Ich jedoch finde hinten im Buch alle Quellenangaben und Verzeichnisse zu Airen usw., weshalb ich das jetzt nicht weiter thematisiere- Axolotl Roadkill ist ein eigenes Buch und noch dazu ein ganz besonderes.
Quellen: 1 - 2 - 3 - 4

Charaktere- Schon allein wenn man die Protagonistin Mifti anguckt, wird einem Angst und Bibberbange. Sie ist ein echtes Individuum, und seit dem Tod ihrer Mutter macht sie eine wirklich negative Entwicklung durch- komplett mit Absicht. Sie raucht, nimmt Drogen aller Art, geht anstatt zur Schule nur noch auf wildeste Partys und ist zudem immerzu Wahnvorstellungen ausgesetzt. Aber bemerkenswert fand ich hier eben, dass man trotz dieser Laster und ihrer Verwirrtheit genau merkte, dass sie absolut nicht dumm war. Auch Edmond, ihr Bruder (ebenfalls Drogen konsumierend), konnte dem Leser Unterhaltung bieten, denn in allen Konversationen mit Mifti weist er zwar nicht so eine ausgeprägte, welthinterfragende, aber doch präsente Intelligenz wie sie auf. Insgesamt waren die meisten Konversationen sehr lustig, manche sinnvoller, manche weniger. Miftis beste Freundin, Ophelia, ist magersüchtig, noch drogenabhängiger als sie und meiner Meinung nach nicht der beste Einfluss, aber trotzdem lustig. Ich war wirklich überrascht, dass jeder der Charaktere individuell ausgemalt war und nie langweilig.

Feeling- Irre. Man fühlt sich, durch die ganzen High-Phasen, die die Protagonistin durchmacht, selber total verrückt. Nie weiß man genau, was jetzt Realität ist und was Trip, was Wahnvorstellung, was Traum, was Blick in die Vergangenheit. Das Gefühl beim Lesen dieses Romans ist einzigartig, da man sich selbst komplett dumm und so normal vorkommt!
Sog- Als ich begann, dachte ich mir erst einmal "Okay". Das wurde dann mit jeder Seite mehr und mehr zu einem "Wow", bis es irgendwann ein "Ach du scheiße!" wurde. Ich sah mich, selbst wenn ich mich mit dem Thema (zum Glück) nicht identifizieren kann und es mich auch nicht so sehr interessiert, nahezu gezwungen, weiterzulesen.
Roter Faden- Das mit dem roten Faden ist hier so eine Sache. Er ist "halt einfach nicht da", wie im Buch stehen würde. Aber das ist es ja, was das Buch so besonders und verrückt und strange macht.

Message?- Auch wenn das Buch nichts mit gepflegtem Nachdenken, seichtem Ergründen und Erschließen des Lebenssinnes und minimalistischen Selbstzweifeln, sondern eher mit invasionsartigen Flüchten aus sich selbst, verzweifelten Methoden der Selbstfindung und verbitterter Skepsis zum Leben zu tun hat, ist es doch schwer tiefgreifend und radikal lehrreich- wenn man bereit ist, sich damit auseinander zu setzten. 

Ich weiß wirklich nicht genau, was ich denken soll; bloß, dass das Buch auf jeden Fall noch eine Zeit in mir kleben bleibt. Auf den ersten Blick ist es außergewöhnlich und unglaublich gut geschrieben, auf den zweiten Blick zudem erschreckend und radikal. Wenn man sich damit auseinander setzten mag, nur zu! Ich werde dieses Buch, als Ausnahme, nicht bewerten.


Ich bedanke mich an dieser Stelle recht herzlich beim Ullstein Verlag für die freundliche Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars!

Kommentare:

  1. Hm, ich kann verstehen dass du das Buch nicht bewerten willst, hab ich bei Die Bücherdiebin auch ausgespart ... Sind halt irgendwie solche Bücher, die einen auf eine seltsame Weise zwar gefallen, aber irgendwie auch total seltsam sind. Die einen aber trotzdem beschäftigen. Und wir haben in der Gruppe ja alle schön geschaut als du uns einen Ausschnitt vom Buch geschickt hast! :D

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  2. Ok, ich hab grad ein wirkliches Bild eines Axolotl gegoogelt ...und oh mein Gott, ich glaub, ich hab ein neues Lieblingstier gefunden! *.*

    Dieses Mädchen ist ja ein Wunderkind, was sie bisher erreicht hat, ist ja wahnsinn. 17 Jahre, wow. Übrigens find ich den Satz, bei "Message" sehr anspruchsvoll formuliert. Ich find ja, dass sich Schreibstile auf einen abfärben. :) Das Buch ist sicher gewöhnungsbedürftig, ich denke, ich würd einfach nicht durch die Formulierungen durchblicken, scheinen ja nicht ohne zu sein ^^ Mal sehen, aber es ist auf jeden sehr interessant und anders! :D

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    1. Die sind doch mal total knuffig, oder? :D

      Danke :D Hey, da könntest du recht haben, was das mit dem abfärbenden Schreibstil zu tun hat! Ist mir nämlich auch schonmal aufgefallen^^
      Anders ist gut xD

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